Bücher und ich

Meine Liebe zum gesprochenen Wort

VON NADINE

Das geschriebene Wort kann kaum vorstellbare Emotionen auslösen. Eine fiktive Geschichte fühlt sich real an, sie ist mehr als farblose Buchstaben auf einem Blatt Papier. Sie erschafft eine ganz neue, eigene Welt, in der wir uns verlieren können. Wir leben in ihr, verlassen unseren Alltag und tauchen ein in eine Welt, die voller neuer Möglichkeiten steckt und in der wir uns ganz unseren Träumen hingeben können. Die Charaktere werden zu unseren besten Freunden, denn sie erscheinen lebendig und tastbar. Ihre Gedankengänge sind für einen verständlich, ihre Handlungen nachvollziehbar. Wir verstehen sie, sie verstehen uns. Es wird mit ihnen gefiebert, mitgelitten und gehofft. Auf diese Weise verlassen wir die Außenperspektive und sind auf eine emotionale Weise mit der Geschichte verbunden. Wir finden einen Teil von uns in den Geschichten wieder, entdecken vielleicht auch neue Seiten von uns.

„Wir leben nur für das geschriebene Wort. Denn es waren Bücher, die mich davon abgehalten haben, mir das Leben zu nehmen, als ich dachte, ich würde niemals jemanden lieben können, niemals geliebt werden. Es waren Bücher, die mir das Gefühl schenkten, dass ich vielleicht doch nicht allein auf der Welt bin. Bücher konnten mir die Wahrheit sagen und ich ihnen.“

Dies ist ein Zitat aus dem Buch Clockwork Prince von Cassandra Clare. Als ich es gelesen habe, traten mir Tränen in die Augen. Keine vereinzelten, sondern eine ganze Ansammlung, so sehr konnte ich den Protagonisten Will Heronalde verstehen, konnte nachempfinden, was er fühlte. Daher war die sowieso schon emotionale Szene für mich noch bewegender. Ich habe mich in dem Zitat wiedergefunden.

Es spiegelte mich selbst wieder. Nicht, dass ich mich in der gleichen Lage wie der Protagonist befand, doch Bücher haben auch in meinem Leben einen großen Stellenwert. Schon als kleines Kind konnte ich mich sehr für das geschriebene Wort begeistern. Als ich mit dem Lesen angefangen habe, habe ich an einem Tag ein Bibi Blocksberg Buch verschlungen. Bis es meinen Eltern zu teuer wurde und meine Mutter ihre alten Hanni und Nanni Bücher vom Dachboden geholt hat. Eine Reihe hat aber wie keine andere meine Liebe zu Büchern gefördert: Harry Potter.

Mit neun Jahren hatte ich die glorreiche Idee auf einem Geburtstag mit auf eine Bushaltestelle zu klettern. Hoch war kein Problem, nur wie komme ich da wieder runter? Nach langem Zögern – alle anderen waren schon längst unten – bin ich schließlich gesprungen. Leider sind mir auf dem Weg nach unten keine Flügel gewachsen und wie konnte es anders kommen: Ich habe mir meinen Arm gebrochen. Und das auch noch im Sommer. Da mein Gips bis zur Schulter reichte (anscheinend hatten die Ärzte Sorgen, ich könnte auf weitere dumme Gedanken kommen), konnte ich nicht wirklich etwas machen. Aber die Rettung nahte in Form eines Buches, dass mir meine Tante bei einem Besuch vorbeibrachte. Sofort war ich begeistert und träumte mich nach Hogwarts. Schnell mussten auch die anderen Bücher her. Fortan waren keine Werke vor mir sicher. Während sich alle anderen in der Klasse darüber aufregten, wieder ein Buch lesen zu müssen, waren dies meine Lieblingseinheiten. Auch Dramen waren mir willkommen und ich fand Werke wie Wilhelm Tell und Andorra faszinierend.

Die Welt der geschriebenen Worte bildete einen Rückzugsort für mich und half mir einen kurzen Augenblick die Welt um mich herum zu vergessen. Besonders mit Fortstreiten der Pubertät kam mir diese Tatsache immer mehr entgegen (erst später erkannte ich, dass Literatur noch mehr ist, als der reine Rückzug). Ich glaube, dass viele in dieser Zeit das Gefühl haben allein zu sein, sich wertlos und missverstanden fühlen. Ich spielte da keine Ausnahme. Meine Hilfe waren damals Bücher, weil ich mich in ihnen verstanden fühlte. Ich flüchte mich in die Fantasie, denn dort war alles möglich. Nicht länger hatte ich die Annahme zu versagen, wie es mir eine lange Zeit vorkam. Es schien mir unmöglich von anderen Menschen geliebt zu werden und erfasste dies als meine Schuld unglücklicherweise immer das falsche zu machen und zu sagen (ähnlich wie Will Heronalde). Im Nachhinein scheinen diese Gedankengänge einem albern vor zu kommen, weil nun die Möglichkeit besteht mit einer anderen Perspektive auf die Sache zu blicken. Doch damals war es für mich Realität und dieses oben erwähnte Zitat ließ mich wieder 13/ 14 Jahre alt sein und führte dazu, dass ich die ganze Gefühlswelt nochmal durchlebte. Denn auch ich fühlte mich damals allein. Aus diesem Grund sind die Worte des Protagonisten so greifbar für mich. Dennoch war es nur meine subjektive Wahrnehmung. Eine andere Person würde das Zitat auf eine unterschiedliche Weise wahrnehmen, denn jeder hat seine eigene „Geschichte“ und nimmt daher Dinge unterschiedlich auf, interpretiert sie verschieden und verknüpft anderes mit ihnen. Bücher erzeugen individuelle Emotionen bei dem Leser und das ist das wunderbare an der Literatur.

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Ein Gedanke zu “Bücher und ich

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