„Harry Potter and the Cursed Child“ in London – meine Meinung und Eindrücke

Als das Theaterstück The Cursed Child in Buchform erschien, fand es in der Harry Potter Fangemeinde wenig Anklang. Die Charaktere sind nicht wiederzuerkennen, lauter Plot Holes und dann die Sache mit Voldemorts Kind – lauteten einige der Kritikpunkte. Es sind Aspekte, denen ich zustimme. Ich selbst habe in einem ausführlichen Beitrag die Heteronormativität im Stück kritisiert. Denn obwohl zwischen Scorpius und Albus offensichtlich mehr als Freundschaft besteht, wurde es nicht thematisiert. Dennoch war gerade die Beziehung der Beiden und Scorpius im Besonderen ein Grund, warum ich das Stück geliebt habe. Die anderen oben erwähnten Kritikpunkte störten mich weniger, da ich The Cursed Child nicht als achtes Buch und damit nicht als Fortsetzung ansehe. Für mich ist es das, was es ist, ein Theaterstück. Und ein Theaterstück ist ein anderes Medium als ein Buch. Daher funktionieren dort Dinge anders, Protagonisten sind überzeichneter und die Inszenierung spielt eine wichtige Rolle.

Aus diesem Grund war es seit dem Zeitpunkt, als es 2016 in London aufgeführt wurde, mein größter Wunsch es mir anzusehen. Ständig lag ich damit Freunden in den Ohren. Schließlich war ich kurz davor, allein dort hin zu fliegen und mir das Stück anzuschauen, bis ich doch meine beste Freundin überzeugen konnte, die im Nachhinein über meiner Überzeugungsarbeit froh war, denn die beiden Theaterabenden waren zusamen mit der Studio Tour ohne Zweifel das Highlight unseres Urlaubes in London.HP Theaterstück 2

Allein das Gebäude ist wunderschön und man fühlt sich in eine alte Zeit zurückversetzt. Es ist aus dem Jahr 1891 und das sieht man dem Gebäude mit den runden Balkonen auf eine positive Art und Weise an. Durch die Architektur besteht bei den äußeren vier Plätzen das Problem, dass eine Ecke der Bühne nicht vollständig zu sehen ist.

Meine beste Freundin und ich hatten noch Glück im Unglück. Zwar saßen wir ganz außen, doch wir saßen direkt am Balkon, konnten uns auf der Lehne abstützen und hatten vor uns keine Personen. Durch die Eckplätze waren wir der Bühne nahe und konnten die Mimik der Darsteller*innen sehen. Ich finde es immer schade, wenn man ganz hinten davon nichts ausmachen kann. Mir war es daher möglich, fast alles im Blick zu haben, im Gegensatz zu meiner besten Freundin, die ganz außen saß. Doch zum Glück spielten die meisten Szenen in der Mitte oder es gab eine kleine Drehbühne.

Eine Stunde früher, um halb sieben mussten wir am Palace Theatre sein. Eigentlich hatten wir eingeplant vorher gemütlich essen zu gehen, doch wir blieben länger als gedacht in der Stadt und unserer Plan ging nicht ganz auf. Schnell holten wir uns unterwegs noch ein Brötchen und dann erreichten wir im strömenden Regen das Gebäude. Als ich von weitem die Schrift, die das Stück verkündet, ausmachte, brach ein kleiner Freudenschrei aus mir heraus, den ich nicht unterdrücken konnte und der einfach über mich kam. Harry Potter hat meine Kindheit und Jugend geprägt, ich habe seit einem Jahr auf diesen Moment hingefiebert und jetzt war er da – der Augenblick war gekommen.

Wie ich es mir beim Lesen gedacht habe, funktioniert die Geschichte als Stück hervorragend, nur eben nicht in schriftlicher Form. Ein Theaterstück lebt durch seine Musik und die Effekte, die beeindruckend waren. In die Umbauten waren Tänze eingebunden, die schon ein kleines Highlight bildeten. Die traurige Musik verstärkte die Emotionen und trieb mir in der Szene, in der Scorpius und Albus nicht miteinander befreundet sein durften und sich auf Treppen, die verschoben wurden, immer wieder verpassten, Tränen in die Augen.

Besonders Jonathan Case als Scorpius war großartig und begeisterte das Publikum mit seiner Art. Er schaffte den schmalen Grat, seine Rolle nicht zu überzeichnet darzustellen. Man konnte nicht anders, als ihn mit seiner verschrobenen, aufgedrehten Art und seinem „Geek-Sein“ zu lieben. Als aus ihm ein kleiner Freudenschrei, aufgrund besonderer Bücher, hervorbrach, musste ich an mich selbst denken. Das Stück bestätigte meine Meinung, dass mehr als Freundschaft zwischen den beiden ist, denn allein wie sich die beiden umarmten sagte alles. So akward umarme ich meine beste Freundin definitiv nicht.

Ron fühlt sich im Stück auch nicht „Out of Character“ an, hier passt es und er lockert mit seinen Witzen die Situation auf, ohne dabei zu einer Witzfigur zu verkommen. Es gab großartige Effekte, Zauberkämpfe, Dementoren, die von der Decke herunterkamen und über das Publikum schwebten – die Inszenierung ließ einen Staunen. Viele schöne Momente haben mich in ihren Bann gezogen, wie als Scorpius und Albus zum ersten Mal Hogwarts erblicken und mit großen Augen ins Publikum schauten, der emotionale Streit zwischen den Beiden und dann das Ende…. Am letzten Abend musste ich mir eine weitere Träne aus dem Augenwinkel wischen.

HP Theaterstück.jpg

Wie es so oft bei schönen Moment ist, sie vergehen schneller als man möchte. Ich habe mich auf die Theaterabende gefreut und gleichzeitig auch nicht, weil ich nicht wollte, dass es dann vorbei ist. Gerne hätte ich weiter in dem Moment verharrt, statt das es nach einmal blinzeln wieder vorbei war. Dennoch werde ich es für immer als „Marmelladenglasmoment“ in Erinnerung haben.

Habt ihr Lust auf mehr Beiträge zu Harry Potter? Dann kommt ihr hier zu meinen Eindrücken zu der Warner Bros. Studio Tour, der letzte Woche online gegangen ist und hier zu meinem London Reisebericht. 

6 Gedanken zu “„Harry Potter and the Cursed Child“ in London – meine Meinung und Eindrücke

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