Das Schreiben und ich – meine Entwicklung und Projekte

Ich habe schon immer gerne gelesen und verschiedene Welten entdeckt. Schreiben hingegen war eine andere Sache. Meine Rechtschreibung war in der Unterstufe schlecht und auch meine Ausdrucksweise litt besonders in der sechsten Klasse in meinen Analysen. Dies war für meine Eltern etwas unverständlich, da ich ja viel gelesen habe. Allerdings stand für mich die Geschichte im Vordergrund und nicht die Schreibweise der Wörter. Dennoch habe ich eigene Versuche gestartet, wo ich im Gegensatz zur Schule die Sätze zehn Mal ohne Zeitdruck verändern konnte. Es machte mir Spaß und in mir wuchs verstärkt der Wunsch, selbst Geschichten zu schreiben.

In meinem ersten Projekt ging es über drei Mädchen, von denen sich zwei erst nicht leiden konnten, schließlich aber gute Freunde werden und gemeinsam Kriminalfälle lösen.  Hier spürt man deutlich meine damalige Begeisterung für Kinderserien wie „Die Pfefferkörner“. Schon nach zehn Wordseiten war mir die Lust vergangen, denn mir fehlte der Plot und ich hatte keine Ideen, was im Detail passieren sollte, zumindest keine realistischen (Mein Vergangenheits-Ich kam auf die glorreiche Idee die Mafia mit einzubinden).

Hier ist der Anfang meines ersten Schreibversuchs:

Ella drückte noch einmal ganz fest ihre Eltern. Dann löste sie sich aus der Umarmung und schaute ihrer Mutter in die Augen. Sie war den Tränen nah, aber  trotzdem lies sie ihrer Stimme dies nicht anmerken als sie sagte: „ Ruf uns an wenn du da bist. Du kannst uns jeder Zeit erreichen. Wir sind immer für dich da.“  Damit lag sie nicht ganz richtig. Wären sie immer für mich da, würden sie mit mir gehen oder sie würden mich nicht wegschicken, dachte Ella. Doch davon sagte sie nichts. Der Zug hielt. Ella drehte sich um. „Grüß Großmutter von uns“, sagte noch ihr Vater. Dann ging sie zum Zug.  „Wir haben dich lieb“, riefen ihre Eltern ihr noch zu. Noch eine Lüge. Sie drehte sich noch einmal um und sah zu ihren Eltern, die Arm im Arm da standen und mit leeren Augen zu ihr herüber blickten. Sie wendete den Blick ab und betrat den Zug. Eine Träne lief ihr die Wange runter, dann kamen die nächsten.

Aus der Geschichte ist nie etwas geworden, ebenso wenig wie aus meinen restlichen Ideen von meiner Jugend, bei denen ich selten über die magische eine Seite hinausgekommen bin. In einer langweiligen Übungsstunde in der fünften Klasse schrieb ich mit einer damaligen Freundin einen Anfang eines wunderbar klischeehaften Krimis. Wie ihr merkt, befand sich alles von mir auf einem literarisch hohen Niveau. Ich bin definitiv kein Wunderkind und habe keine magischen Zauberkraft. Vielmehr stellt Schreiben für mich ein Prozess dar. Noch heute ist mein Stil einfach gehalten, in Ordnung und nichts besonderes.

Hier der Anfang des „Krimis“:

Alles fing an einem trüben Morgen an. Kommissar Schwarz war gerade dabei sich sein Frühstück vorzubereiten und es sich mit einer heißen Tasse Kaffee im Wohnzimmersessel gemütlich zu machen, da klingelte das Telefon. Kommissar Schwarz hob ab.

Daneben gab es noch eine Idee mit einer mysteriösen Bibliothek und eine Endzeit-Fantasy- Geschichte. Allerdings fehlte mir immer die Handlung und auch die Originalität war eine Fehlanzeige. Daher blieb ich beim Lesen und ließ es – erstmal – mit dem Schreiben. Irgendwann in der Oberstufe juckte es mich dann doch wieder in den Fingern und ich begann mit einer Freundin eine Young Adult Geschichte mit Fantasy Elementen. Diese handelt von der siebzehnjährige Lucy, die unfreiwillig für ihr letztes Schuljahr nach Berlin zieht. Da sich diese Zusammenfassung ziemlich langweilig anhört, sollte die Handlung mit Tagträumen und der Fantasy Geschichte, welche die Protagonistin beginnt zu schreiben, ausgeschmückt werden. Doch wie es schon zuvor war, verging mir wieder die Lust. Mir fehlte die Ausdauer und das Projekt wurde auf Eis gelegt, bis ich es einige Zeit später wieder hervor holte und versuchte alles im Detail zu plotten, aber erneut ließ ich es bald wieder sein.

Dieses Jahr war es dann so weit: Ich holte es erneut hervor und begann den Anfang zu überarbeiten und schickte ihn unter großer Nervosität der lieben Yvonne vom Blog Seitenglück zum Lesen. Ihr konstruktives Feedback hat mir sehr geholfen und mir in vielerlei hinsicht die Augen geöffnet. Zum einem hat es mir gezeigt, dass die Sache mit den Tagträumen nicht funktionierte. Ich wollte zwanghaft originell und kreativ sein, scheiterte aber bei der Umsetzung. Ich ließ mich zu sehr von Filmen inspirieren, wo meine Idee eher funktioniert hätte. Daher ist eine wichtige Sache, die ich gelernt habe: Man kann das Rad nicht neu erfinden. Es gibt so viele Bücher mit einem ähnlichen Plot, einer ähnlichen Geschichte und es ist schwer sich von allem komplett lösen und ein innovativen Geniestreich zu entwickeln. Dies hinderte mich oft am Schreiben, weil ich das Gefühl hatte, das wenn es mir nicht gelingt, ich es lieber sein lassen sollte.

Eine andere Sache, die ich eingesehen habe, ist, dass ich beim Überarbeiten die Fantasy Elemente vernachlässigt habe und im Vordergrund eine „einfache“ Coming of Age Geschichte steht. Da aber das Young Adult Genre mit Vorurteilen belastet ist, habe ich es mir selbst erst nicht eingestanden. Meine Stärken liegen nicht beim Weltenbau, sondern bei der Zeichnung von Figuren, ihrer Innenwelten und der Dynamik der Figuren untereinander. Dies möchte ich vermehrt ausbauen und darauf den Fokus legen. Außerdem bedeutet Schreiben für mich, Dinge anzusprechen, die ich für wichtig erachte. Mittlerweile beträgt das Projekt 30.000 Wörter und ich werde es beenden, egal wie mittelmäßig es ist.

Hier ein kleiner (immer noch nicht perfekter) Ausschnitt:

Ungeachtet meiner Müdigkeit bekomme ich kein Auge zu und wälze mich unruhig von einer Seite zur anderen, ohne eine bequeme Schlafposition zu finden. Da sich mein Gehirn nicht abschalten lässt, versuche ich es mit Schäfchen zählen. Doch meine Gedanken wandern zu meiner Zeit in Rotbach zurück, an das kleine Dorf in Niedersachen, dass für ein Zeugenschutzprogramm ein geeigneter Ort ist. Ich denke an meine Zukunft, an die Zeit nach dem Abitur und wie ich in einem Strudel voller Veränderungen feststecke. Ich weiß nicht, wohin mich mein Weg führt, ob ich nach der Schule hierbleibe. Antworten wollen nicht kommen und das Zimmer möchte mir keine zuflüstern. Nur Emmas alle paar Sekunden einsetzendes Schnarchen, ist zu hören. Mit der Zeit gleiten meine Gedanken weiter ab und verschwimmen dahin, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verblassen und ich merke, wie ein traumloser Schlaf mich umhüllt.

Wie stark sich eine Idee wandeln kann, ist mir bei meinem zweiten Projekt bewusst geworden. Begonnen hatte es mit der Idee, das Person B das Tagebuch von Person A findet, der es nicht gut geht. Person B versucht schließlich herauszufinden, wer die Person ist. Dann aber fand ich die Idee mit dem Tagebuch zu altmodisch und habe an einem Blog überlegt, was ich auch wieder verworfen habe. Anfang des Jahres habe ich begonnen, mich vor dem Schlafen jeden Abend an mein Notizbuch zu setzen und assoziativ aufzuschreiben, was mir in dem Kopf kommt. Daraus hat sich eine Geschichte entwickelt, die mit der ursprünglichen Idee nur noch im weiten Sinne etwas zu tun hat. So kommen die Tagebucheinträge auf einer anderen Art und Weise vor und Person A hat mit Diabetes zu kämpfen. Im April habe ich mit dem Schreiben begonnen. 25.000 Wörter wurden es in dem Monat, was für mich eine Menge ist, da ich parallel dazu noch eine Hausarbeit verfasst habe und an einem Tag im Schreibfluss 5.000 Wörter geschrieben habe. Somit steht damit jetzt der erste Teil.

Daraus habe ich wieder einen Ausschnitt für euch:

Ihre Mutter erwartete sie schon. Für einen kurzen Besuch in die Stadt hatte sie sich in Schale geworfen und trug ein mittellanges, eng anliegendes Kleid. Ihre Haare waren frisch getönt und der Ansatz leuchtete wieder in einem hellen Braun. Sie war leicht geschminkt und ihre Lippen schimmerten in einem zarten Rosa. Faye kam sich neben ihr, in ihrer verwaschenen Hose und dem dünnen Pullover, T-Shirts trug sie nur ungern, schäbig vor. Jetzt bereute sie, dass sie sich heute Mittag nicht die Mühe gemacht hatte, sich etwas Schönes herauszusuchen oder ihre unreine Haut zu über schminken. Doch konnte es ihrer Mutter auch egal sein, wie sie aussieht. So entsprach sie zumindest dem Bild, dass sie von ihr hatte.
„Gut siehst du aus“, begrüßte sie Faye und sie schaffte es nicht, mit ihrem gekünstelten Lächeln die Lüge hinter der Aussage zu überspielen. Sie stand für die Begrüßung auf, um ihre Tochter zu umarmen. Die Arme ihrer Mutter umschlangen Faye, die ihr unbeholfen auf die Schulter klopfte

Woher kommt dieses Jahr der plötzliche Schwung ins Scheiben? Wieso beginne ich jetzt, an zwei Projekten intensiv zu arbeiten?
Ein Grund ist der Blog, durch den ich durch die wöchentliche Beiträge eine Schreibroutine entwickelt habe. Dazu kommt Twitter, wo ich vielen Autoren und Hobbyautoren folge, die durch ihre Tweets in mir die Lust entfacht haben, auch wieder etwas zu Papier zu bringen. And last but not least: Ich habe mich selbst weiterentwickelt und habe aufgehört mir mit meinen eigenen Ansprüchen in dem Weg zu stehen. Ich habe gelernt, dass ich keine Person bin, die bei einem Projekt jedes Kapitel durchplottet. Bei mir steht der Anfang, das Ende und die wichtigsten Handlungsschritte dazwischen. Den Rest lasse ich auf mich zu kommen und habe gemerkt, wie es mir Spaß macht, mich von meiner Geschichte und meinen Protagonisten überraschen zu lassen.

Werde ich jemals veröffentlichen? Wer weiß. Es ist schwierig aus der ganzen Fülle von Literatur hervorzustechen. Nur warum sollte man nicht dennoch schreiben? Ohne Frage, jeder Mensch strebt in gewisser Weise nach Anerkennung und Erfolg, doch beides ist nicht alles und aus der Zeit mit meinem Blog habe ich mitgenommen, dass es schon ein schönes Gefühl ist, eine Person mit seinen Worten zu erreichen.

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11 Gedanken zu “Das Schreiben und ich – meine Entwicklung und Projekte

  1. Hey!
    Ich finde deinen Beitrag sehr schön geschrieben! Es ist interessant die Hintergründe von deiner Schreib-Karriere kennenzulernen. 🙂 Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem ersten Roman! Das Wichtigste ist, nicht aufzugeben auf halber Strecke, auch wenn man das Gefühl hat, dass es nicht so gut ist. 😀
    Liebe Grüße, Aurora

    Gefällt 1 Person

  2. Hey!
    Ein sehr interessanter Beitrag! Ich finde es immer total interessant, über die Schreibreise anderer lesen zu dürfen.
    Mit Weltenaufbau tue ich mich auch noch schwer, aber ich hoffe, dass das in Zukunft besser wird 🙂
    Liebe Grüße,
    Lea ❤️

    Gefällt 1 Person

  3. Ein toller Beitrag! Es ist immer spannend, die Schreibreisen von anderen zu erleben und ich bin stolz, dass du die 25k geschrieben hast! Das ist echt der Wahnsinn! 🙂
    Ich hatte noch nie die Situation, ein Buch nicht zu Ende zu schreiben, aber dafür schreibe ich momentan das dritte Buch komplett neu 😀
    Mach auf alle Fälle weiter so 🙂

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  4. Hallo Nadine,

    ich gehöre ja nicht zu den Schreiberlingen, aber bewundere es sehr!
    Von der Idee zu 30.000 Wörtern, das ist für mich eine Mordsleistung. Ich gebe dir recht, dass man das Rad nicht neu erfinden kann. NA bleibt NA, der Mensch ist schließlich kein Außerirdischer mit merkwürdigen Kräften, die man einbauen könnte. Dann wäre es auch kein NA mehr 🙂

    Sei stolz auf dich, mach entspannt weiter. Vielleicht lasse ich mir dann irgendwann ein Buch von dir signieren.

    Liebe Grüße
    Tina

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  5. Pingback: [Blog Glück] Juni 2019 – Seitenglueck

  6. Pingback: Was geschah im Juni… | Wörter auf Reise

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