„Zerrissene Erde“: Anders & innovativ| Rezension

Die Welt steht vor dem Abgrund. Die Menschen haben die Ressourcen gierig ausgeschöpft und erhalten jetzt ihre Abrechnung: Erdbeben und Vulkanausbrüche toben über das Land her. In mitten dessen sucht Essun ihre Tochter, nachdem ihr Mann ihren Sohn umgebracht hat – als er von ihrer gefürchteten Fähigkeit erfuhr…  Das ist der Ausgangspunkt des dystopischen Endzeit Fantasy/ Sci-Fiction Romans Zerrissene Erde der amerikanischen Autorin N.K. Jemisin, die für ihr Werk 2016 mit dem Hugo Award ausgezeichnet wurde. Und das nicht ohne Grund.

Schon der Anfangssatz schaffte mich zu packen und zum Weiterlesen zu motivieren:

„Beginnen wir mit dem Ende der Welt, ja? Bringen wir es hinter uns und wenden wir uns dann interessanteren Dingen zu. Zunächst: das persönliche Ende.“ (S.9).

Mehrere Aspekte stecken in den wenigen Worten drin, mit dem die Autorin sofort meine Aufmerksamkeit magisch anzog. Erst einmal: Das Ende der Welt. Damit hat man mich thematisch direkt. Gleichzeitig erzeugt die Frage am Anfang Neugierde. Dann ist da die Formulierung „wenden wir uns dann interessanteren Dingen zu“ über die ich gestolpert bin. Was ist bitte interessanter, als das Ende der Welt? Zu guter Letzt hat mich das Pronomen „wir“ stutzig gemacht.

Die ungewohnte Du-Formulierung

Weiter heißt es auf der ersten Seite:„Aber dir fehlt der Kontext“. Dir? Also mir? Eine direkte Leseransprache ist mir in Büchern fremd. Insbesondere das dadurch erzeugte Gefühl, als Protagonistin angesprochen zu werden: „Und dich würde es nicht geben“ (S. 17). Wie mich? Es ist doch Essun gemeint, warum dann nicht, „sie würde es nicht geben?“ Ich war verwirrt und fasziniert zugleich, war genervt von dem anstrengenden Schreibstil und gleichzeitig war er elegant, neu, anders. Ich brauchte Zeit, um in  Zerrissene Erde hinein zukommen und konnte es dennoch, da es mir neu war und es mich deswegen neugierig gemacht hat, nicht aus der Hand legen.

Eleganter und ungewöhnlicher Schreibstil

Wie schon oben erwähnt, wurden die Kapitel über Essun in der „Du-Form“ geschrieben, falls jemand von euch den richtigen Namen dieser Erzählperspektive kennt, teilt ihn mir bitte in den Kommentaren mit. Ich habe das halbe  Internet durchforstet und meine Unterlagen aus meinem Germanistik Einführungskurs herausgeholt, aber nichts dazu gefunden. Doch abgesehen davon, hat Jemisin einen wunderschönen Schreibstil, mit vielen Variationen.

„Er [ihr Mann] ist der Vordergrund des Gemäldes, das euer gemeinsames Leben darstellt. Du bist der Hintergrund. Es gefällt dir so“ (S.25).

Wie gekonnt hat die Autorin mit diesen zwei Sätzen die Beziehung der beiden auf den Punkt gebracht? Die bildhaften, an Metaphern reichen Sätze, werden mit kurzen Sätzen abgewechselt.

„Er hält es fest. Er ist nicht allein. Die Erde ist in ihm.
Und dann zerbricht er es.“

Teilweise spielt in den kurzen, trockenen Sätze, eine gewisse Komik mit sich oder es taucht plötzlich ein „haha“ am Ende des Satzes auf:

Zurück zum Persönlichen. Die Dinge müssen geerdet bleiben, haha“ (S.17)

Jemisin deutet immer wieder Dinge an, die noch Geschehen werden oder macht düstere Voraussagungen, die bei vereinzelten bleiben, nicht die Überhand nehmen und daher schaffen, Spannung durch kleine Bemerkungen zu erzeugen.

 

Zerrissene Erde: interessante Weltkonstruktion in Puzzle Stückchen

Nur langsam werden Informationen über die Welt gestreut, über das Land mit dem Namen „Die Stille“, die sich bewegt. Steinesser, Orogene, Geomesten – diese Namen tauchen auf, ohne erklärt zu werden. Ich lese weiter, halte inne, lese mir erneut die Sätze durch. Nein, ich habe nichts übersehen. Keine Erklärung weit und breit. Ich blättere ein paar Seiten weiter, dann gehe ich an den Anfang, dann zu den letzten Seiten und da finde ich es: Einen Anhang mit der Erklärung zu den Begriffen. Ernsthaft?, dachte ich genervt, ich muss die Wörter nachschlagen, als würde ich einen Fachtext zu Quantenphysik lesen? Abbrechen wollte ich auch nicht, denn ich war interessiert, mehr über das interessante Setting zu erfahren.

Mit Umweltkatastrophen wie Vulkanausbrüchen und Erdbeben versucht „Vater Erde“, die Menschen auszulöschen und sie für ihr Verhalten ihm gegenüber zu rächen. Damit ist es in einer Zeit, wo ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen wird und in Brasilien der Regenwald einem Kriegsschauplatz gleicht, aktueller denn je. In der Fantasy Komponente spielen Ortogenen mit ein: Menschen, die Kraft aus allem Lebendigen ziehen- und allein die Beben verhindern können. Sie werden als eine Gefahr angesehen und in Ausbildungslagern gepackt, wo nicht zimperlich mit ihnen umgegangen wird.

Menschen, die bei einem Info-Input anfangen aufzustöhnen und es lieben, wenn sie erst langsam etwas über die Welt erfahren, werden Zerrissene Erde lieben. Jemisin verstreut einzelne Puzzelstücke, die man zu einem Gesamtbild zusammenfügen muss. Ich hingegen mag es recht gerne, wenn ich zügig weiß, wie die Welt aussieht und ich mir ein Bild machen kann. Es hilft mir dabei, schneller in die Geschichte hineinzukommen. Auch am Ende des ersten Bandes könnte ich keine genaue Informationen geben, vielleicht ändert sich dies mit den nachfolgenden Büchern.

Protagonisten & Erzählstruktur

Von drei Protagonisten wird abwechselnd die Geschichte erzählt. Zu Beginn ist es nicht deutlich, wie die Schicksale miteinander verknüpft sind und welche Richtung die Handlung eingeschlagen wird. Über sie verteilt, erhält man weitere Puzzlestücke über die Welt, über ihre Strukturen, ihre Geschichte und die Otogenesen und schafft es sich langsam aber stetig sie (fast) zu einem großen Bild zu verknüpfen. Bei der erzähl-perspektivischen Raffinesse dabei ist mir mein Germanistik Herz aufgegangen

Die Kapitel von Damaya und Syenit sind nicht in der Du-Form geschrieben, weswegen ich sie aufgrund von meinen Gewohnheiten leichter zu lesen empfand.

Bücher, in denen verschiedene Perspektiven verwendet werden, haben die Gefahr, dass die Tonalität sich nicht unterscheidet und es sich wie eine Person liest. So erging es mir im dritten Band der Divergent Reihe. Hier ist es zum Glück nicht der Fall und während Damaya eine unsichere, stille Person ist, ist Syenit das Gegenteil, selbstbewusst, sagt was sie denkt und Flucht dabei. Besonders ihre Kapitel haben mich häufiger zum Grinsen gebracht und Syenit ist mit ihrer kantigen sowie warmen Art ans Herz gewachsen.

Diversität

N.K. Jemisin schreibt divers, ohne das die Homosexualität der Figur in den Vordergrund gerückt wird. Es ist einfach ein weiterer Aspekt von vielen. Daneben gibt es auch polyamore Beziehung, zumindest so in der Art (Die Bewertung der Repräsentation kann an dieser Stelle nicht erfolgen).

Fazit

Ich kann euch die spannende Mischung aus Dystopie, Fantasy und Sci-Fiction nur ans Herz legen. Der Roman verdient so viel mehr Aufmerksamkeit und ich kann nicht verstehen, ihn noch nie in einem Buchladen entdeckt zu haben, schließlich hat die Autorin den Hugo Award dafür erhalten. Wenn ihr von den klassischen Heldenreisen gelangweilt seid,  Lust auf etwas anderes habt, dann seid ihr mit Zerrissene Erde von N.K. Jemisin genau richtig. Lasst euch auf den Schreibstil, eine spannende Welt und eine Geschichte, die am Ende mit einem Plot Twist punktet, ein.

Habt ihr das Buch schon gelesen und was sagt ihr dazu? Welche andere Werke verdienen eurer Meinung mehr Aufmerksamkeit? Was sind eure Lieblingsanfangssätze?

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Faszinationen Zeitreisen: Zeitmaschinen, Wurmlöscher und Paralleluniversen

Den Sturm der Bastile miterleben, beim Live Aid Queen sehen oder mit einem Attentat Hitlers Schreckensherrschaft verhindern? Auf welches Datum würdet ihr eure Zeitmaschine einstellen? Vergangenheit oder Zukunft – was lockt euch mehr an?

Zeitreisen bieten die wunderbare Möglichkeit für was-wäre-wenn-Szenarien. Was wäre, wenn ich mit meinem jetzigen Wissenstand in die Vergangenheit reise, könnte ich die Vergangenheit ändern oder würde alles so bleiben wie es ist? Wenn ich in die Zukunft reise, wie wird diese aussehen? Fliegende Autos, ein von der Erde kolonialisierter Weltraum? Der Fantasie scheint keine Grenzen gesetzt. Vielleicht gerade das Faszinierende?

Zeitreisen findet man in allen möglichen Genres wieder: In einem Actionfilm (Terminator), in Fantasy (Harry Potter und der Gefangene von Askaban), in einem Liebesfilm (Alles eine Frage der Zeit) oder ganz klassisches in einem Sci-fi Roman (Die Zeitmaschine). So unterschiedlich die Genres sind, so unterschiedlich ist auch die Art und Weise wie durch die Zeit gereist wird, welche Regeln es gibt und wohin die Reise die Protagonisten führt.

Die Zeitmaschine

Ein umfunktionierter DeLorean, ausgestattet mit einem Fluxkompensator, dem Kernstück, und Plutonium als Energieantrieb – damit reist Marty McFly in den Zurück in die Zukunft Filmen. Das Problem dabei: Ohne eine Geschwindigkeit von 140 km/h funktioniert es nicht. Praktischer ist da der Koffer in der deutschen Netflix Produktion Dark, den man leicht mit sich herum tragen kann, ohne damit aufzufallen. Aufgeklappt macht er mit seinen goldenen Apparaten auch optisch etwas her. Allerdings geht es mit dem erschaffenen Wurmloch nur 30 Jahre vor oder zurück. Nicht ohne Grund heißt der Hersteller der Zeitmaschine in Dark H.G. Tannhaus, denn es ist eine Anspielung auf den Autor H. G. Wells, der mit seinem Buch Die Zeitmaschine aus dem Jahre 1895 einen Klassiker erschaffen hat.

„Würden Sie gerne die Zeitmaschine selbst sehen?“, fragte der Zeitreisende. Und damit führte er uns mit der Lampe in der Hand durch den langen, zugigen Korridor zu seinem Labor. Ich erinnere mich lebhaft an das flackernde Licht, seinen verdrehten, breiten Kopf als Silhouette, den Tanz der Schatten, wie wir ihm alle folgten, verwirrt aber ungläubig, und wie wird dort im Labor eine größere Ausführung des kleinen Mechanismus erblickten, der vor unserem Auge verschwunden war. Teile davon waren aus Nickel, andere Teil aus Elfenbein, manche Teile waren sicherlich aus Felskristall gefeilt oder gesägt worden. Das Ding sah grundsätzlich vollständig aus, aber die verdrehten kristallinen Stangen lagen unvollendet auf der Werkbank neben einigen Blättern mit Zeichnungen, und ich nahm eines, um es genauer zu betrachten.“

In der Komödie von Woodie Allen muss man sich um Mitternacht an einem bestimmten Platz in Paris befinden und zack kommt ein Auto vorbei, dass einem in die Zeit mitnimmt, in welche man sich sehnt. Für Protagonist Gil sind es die 20er Jahre mit seinen Idolen Hemingway und Fritzgerald. Simple ist das Reisen in Alles eine Frage der Zeit, wo nur ein dunkler Raum benötigt wird. Jedoch bleibt dies den Männern der Familie vorbehalten, die nur innerhalb ihres eigenen Lebens reisen können. Blut wird in der Jugendfantasy Reihe Rubinrot benötigt, ansonsten fallen die Außerwählten munter ohne Kontrolle durch die Zeit.

Vergangenheit ändern oder doch die Zukunft entdecken?

Harry Potter würde im dritten Teil gerne die Vergangenheit ändern, um Wurmschwanz alias Peter Pettigrew zu töten und die Auferstehung des dunklen Lords zu verhindern. Doch Hermine hindert ihn daran: Eingreifen in die Vergangenheit ist verboten, ebenso darf man von seinem eigenen Ich nicht gesehen werden. Damit nimmt es Doc in Zurück in die Zukunft nicht allzu genau

Nie existieren würde Jon Conner, der den Widerstand gegen die Maschine in der Zukunft anführt, wenn seien Mutter von dem Terminator umgebracht wird, weswegen er ihr niemand anderes als seinen Vater schickt, um sie zu beschützen.

In die Zukunft hingegen geht es in Die Zeitmaschine. Im Jahr 802.701 trifft der Zeitreisende auf die kindlichen Eloi, die auf der Oberfläche ein scheinbar unbekümmertes Leben führen. In unterirdischen Höhlen hausen die hässlichen, affenartigen Morlocks. Erst langsam kommt der Zeitreise dem Ganzen und ihrer Bedeutung auf die Spur. Dann setzt er seine Reise, nicht weniger als 30 Millionen Jahre in der Zukunft, fort.

Das Zeitparadox – wo ist der Anfang?

Lässt sich die Vergangenheit ändern oder wird sich immer alles so ereignen, wie es vorgesehen ist? So dass man mit dem Versuch etwas zu verändern, das Geschehen erst herbeiführt? Damit beschäftigt sich unter anderem die zweite Staffel von Dark. In der Serie ist, wie auch in anderen Filmen und Büchern zum Thema Zeitreisen, die Frage nach dem Anfang und Ursprung einer Idee nicht zu bestimmen. In Dark erstellt der Uhrmacherei H.G. Tannhaus eine Zeitmaschine, nachdem ihm zuvor aus der Zukunft die Papiere dazu überreicht wurden, die ihm aber erst überreicht werden konnten, wenn er die Zeitmaschine schon gebaut hat. Die Idee steht somit allein da, ohne einen Schöpfer zu haben. Ein ähnliches Zeitparadox gibt es in der Buchreihe Die Seiten der Welt, wo Furia Siebenstein erst von der Bibliomanthie (die Fähigkeit Magie durch Bücher zu bewirken) erzählt, der sie dann später aufgrund ihrer Information erschaffen wird. In Terminator ist die Zukunft ebenso mit der Vergangenheit verbunden. Schließlich schickt Jon seinen eigenen Vater in die Vergangenheit. Was war erst: Die Vergangenheit oder die Zukunft? Nicht leicht zu bestimmen bei Zeitreisen, weil alles mit einander in Verbindung steht.

Paralleluniversum

Mit Fortschreiten der His dark materials Bücher spielen andere Welten eine immer größer werdende Rolle. Das Zeitmodell ist hier, dass unendlich viele Parallelwelten unabhängig neben einander existieren. Um zwischen ihnen zu reisen, bedarf es einen besonderen Gegenstand. Zudem wird im dritten Band eine ganz besondere Welt bereist. Eine neue Zeitlinie entsteht im zweiten Teil von Zurück in die Zukunft durch den unheilstiftenden Sport Almanach, mit dessen Hilfe Biff sich in einer veränderten Zeitlinie ein Imperium aufgebaut hat. Tja, Gegenstände aus der Zukunft sollten nicht in falsche Hände geraten.

Zeitschleife

Denselben Tag immer und immer wieder erleben zu müssen, ist keine schöne Vorstellung, wenn man jeden Tag in einem Zug aufwacht, der in die Luft fliegen wird. Jake Gyllenhall muss in Souce Code dieses Ereignis verhindern und den Täter schnappen. Auch in der Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier durchlebt der Protagonist den selben Tag immer und immer wieder aufs Neue und muss einsehen, dass selbst ein Selbstmord ihn nicht aus der Zeitschleife befördert.

Was sind eure liebsten Zeitreise Bücher und Filme?
Wenn ihr eine Zeitmaschine hättet, wohin würde euch diese befördern?

 

Pans Labyrinth: Vom Film zum Buch

Kann es funktionieren, aus einem Film ein Buch zu machen? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich davon gehört habe, dass die deutsche Autorin Cornelia Funke die Verschriftlichung von Guillermo del Toros Meisterwerk Pans Labyrinth übernehmen wird. Da es zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört, den ich für ein Essay im Zuge eines Seminars zu Fantasy und Fantastik im Studium mehrmals gesehen habe (einmal auch Sequenz für Sequenz), war ich gleichzeitig erfreut und skeptisch.

Positiv anzumerken ist direkt die Covergestaltung. Ich bin selten von einem Cover hin und weg (und außerdem stehen die geschrieben Worte im Vordergrund), doch in das von Pans Labyrinth habe ich mich direkt verliebt. Es passt mit seinem dunklen grün, der kleinen Ophelia und dem Vollmond zur Atmosphäre des Films und erweckt den Eindruck eines düsteren Märchen. Hinkommend gibt es im Verlaufe des Buches wunderschöne Zeichnungen, die ich mir am liebsten in mein Zimmer aufhängen würde.

Die Handlung ist dieselbe wie die des Film (was für eine Überraschung), indem es um die zehnjährige Ofelia geht, die mit ihrer Mutter zu dem Hauptmann Vidal, ihrem Stiefvater reist. Dieser bekämpft im Jahr 1944 ausgehend von einer alten Mühle in der Nähe eines Waldes Aufständische in den Bergen, die sich mit dem Ausgang des Bürgerkriegs nicht abfinden wollen. Er ist ein kaltblütiger, brutaler Mann ohne jegliche Gewissenbisse. Von den Schrecken um sich herum erdrückt, findet Ofelia Zuflucht in ihren Büchern. Eine Fee führt sie in ein Labyrinth, wo ein Pan, ein baumartiges Wesen mit langen Haaren und Fingern, zum Leben erwacht. Er bezeichnet sie als die zurückgekehrte Prinzessin eines unterirdischen Reiches. Um dorthin zurückzukehren, muss sie sich als würdig erweisen und drei Prüfungen absolvieren…

Pans LabyrinthIm Buch wurde die Märchen Komponente stärker ausgebaut. Es fängt zum Beispiel mit den Worten: „Es war einmal“ an. Somit wird direkt suggeriert, dass ein Märchen folgt. Dies wird durch die kleinen Geschichten, die neu hinzugekommen sind, verstärkt. Wie auch die Rahmenhandlung sind sie düster und es spielt der Tod in ihnen eine Rolle

Im Film hingegen, wie ich in meinem Beitrag zu Pans Labyrinth erläutert habe, ist dort das Fantastische nicht eindeutig zu bestimmen. Das führt dazu, dass insbesondere das Ende unterschiedlich ausgelegt werden kann. Im Buch hingegen wurde das Insekt, welches Ofelia am Anfang sieht, explizit als eine Art Fee bezeichnet, die dem Auto folgt. Ich fand es gerade faszinierend, wie mit den fantastischen Elementen gespielt wurde. Zudem entfacht Del Toro eine atmosphärische Sogkraft und das gute Nacht Lied von Mercedes hat mir eine Gänsehaut bereitet. Das ist der filmischen Inszenierung verschuldet und kann auf diese Art und Weise nicht verschriftlicht werden.

Dafür punktet das Buch mit dem bildhaften Schreibstil von Cornelia Funke, wo ich Sätze merhrmals gelesen habe, weil ich sie so schön fand. Sie lässt einen in die Gedankenwelt von Ophelia einblicken, als auch in die des Hauptmanns, der einem noch hassenswerter erscheint, denn bei ihm ist kein Funken Menschlichkeit vorhanden. Da ich den Film so oft gesehen habe, lief bei mir beim Lesen vor den Augen ab und nicht wie ansonsten eigene Bilder. Dies ist nicht als Kritikpunkt zu lesen, es ist mir nur aufgefallen. Cornelias Funkes Schreibstil passt hervorragend zu dem düsteren Märchen und was auch der Grund ist, dass ich mich trotz des Wissens was passiert, nicht gelangweilt habe.

„Ihr Vater war nur ein Jahr zuvor gestorben, und Ofelia vermisste ihn so sehr, dass ihr Herz sich zuweilen wie eine leere Schatulle anfühlte, die nichts außer den Widerhall ihres Schmerzen erhielt.“ (S. 9)

Die Geschichte, in der Schönheit mit grausamer Brutalität eng aneinender liegt, kann ich sowohl Personen, die den Film nicht gesehen haben, als auch die ihn kennen, empfehlen. Es funktioniert in beiden Medien auf seine eigene Art und Weise, das ich spannend zu sehen fand. Ebenso interessant war für mich der umgekehrte Schritt interessant, statt wie ansonsten von Buch zu Film, von Film zu Buch zu gehen.

Kennt ihr den Film und habt das Buch schon gelesen oder seid ihr umgekehrt ran gegangen?
Fallen Euch andere Beispiele ein, wo es erst den Film und dann das Buch gab?

weitere Meinung zu Pans Labyrinth:

Warum Bücher mehrmals lesen?

Buch kaufen. Lesen. Ins Regal stellen. Neues Buch kaufen. Schließlich wartet eine Fülle von Klassikern und Neuerscheinungen auf einen. Wo bleibt da noch die Zeit für einen Reread? Die Geschichte ist ja bekannt, hat es überhaupt einen Mehrwert, Werke mehrmals zu lesen?

Geschichten sind mit Emotionen verknüpft. Sie sind Speicher von Erinnerungen. Es kann gut tun, in eine bekannte Welt zurückzukehren und mit alten Freunden Abenteuer zu erleben. Insbesondere, wenn der Kopf nicht frei für Neues ist. Ähnlich verhält es sich mit Lieblingsfilmen, die man immer wieder schaut, bei guter Laune, bei Krankheit oder einfach aus Langeweile.

Mit mehr Lebenserfahrung ändert sich die Wahrnehmung auf Dinge, der Blickwinkel auf Bücher verschiebt sich. Eine weitere Rezeptionsebene kann sich beim Lesen von alten Kinderbüchern öffnen. Während beispielsweise Das Fliegende Klassenzimmer als Kind eine Geschichte über Freundschaft, über das Aufbeugen gegenüber falscher Autorität ist, kristallisiert sich jetzt deutlich eine Kritik an dem NS-Regime heraus. In anderen Werken hingegen werden problematische Inhalte und toxische Beziehungen bemerkbar, die einem damals nicht aufgefallen sind. Teilweise wundert man sich vielleicht, warum man das jeweilige Buch früher gemocht hat.

Da die Geschichte schon bekannt ist, stechen einem plötzlich sämtliche Andeutungen hervor, die einem vorher entgangen sind. Bei manchen Werken, zu denen man lange nicht mehr gegriffen hat, kann es sich anfühlen, als würde man sie zum ersten Mal lesen, da das Gehirn über die Jahre viel vergisst oder es ist ein ständiges Erinnern mit Ausrufen wie „ach ja stimmt, so war das ja!“

Goldene KompassDiese Ausrufe kamen mir bei meinem ReRead zu Der Goldene Kompass mehr als einmal über die Lippen. Einige Szenen hatte ich noch deutlich vor Augen, andere Dinge waren hingegen ausradiert, weshalb ich mich das Gefühl eines Déjà- Vu begleitete.

Erinnerungen kamen mir schon beim Ablegen des Schutzumschlags entgegen. Denn in der linken Ecke stand in säuberlichen Druckbuchstaben mein Name und meine vollständige Adresse. Selbst meine damalige Telefonnummer fehlte nicht. Schließlich könnte das Buch mir ja verloren gehen. Eventuell wollte ich auch einfach nur mein Eigentum kennzeichnen. Ein paar Seiten weiter musste ich über mein Vergangenheits-Ich schmunzeln. Denn ich weiß noch, wie ich damals, wunderbar deutsch ausgesprochen, meinen Vater gefragt habe, was denn ein „Butler“ wäre.

„‚Das Buch wird anfangen, deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst du wieder dort sein, wo du zuerst drin gelesen hast. Schon mit den ersten Wörtern wird alles zurückkommen: die Bilder, die Gerüche, das Eis, das du beim Lesen gegessen hast… Glaub mir, Bücher sind wie Fliegenpapier. An nichts haften Erinnerungen so gut wie an bedruckten Seiten“

Dieses Zitat stammt aus Tintenherz und es bringt meiner Meinung nach wunderbar auf den Punkt, was passiert, wenn man ein Buch ein weiteres Mal liest.

Beim ersten Harry Potter Band befinde ich mich zurück mit meinem gebrochenen Arm auf dem sonnigen Balkon. Meine Tante überreicht mir das Buch und ich beschmiere ihr Exemplar mit meinen orangenen Händen. Bei anderen Büchern rieselt der Sand aus den Seiten hervor und ich bin zurück im Urlaub und kann die salzige Meerluft schmecken.

„Es ist Staub“m wiederholte Lord Asriel. „Er wird auf der Platte als Licht abgebildet, weil die Staubpartikel auf die Spezialemulsion dieselbe Wirkung haben wie Photonen auf eine Silbernitratemulsion.“ (S. 15f.)

Partikel? Nitrat? Emulsion? Photone? Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Zehn- oder Elfjähriges Ich diesen Satz verstanden hat. Selbst mit 22 Jahren habe ich mit der Bedeutung des Satzes zu kämpfen, nur kenne ich zumindest die Bedeutung der einzelnen Wörter. Für Kinder ist Der goldene Kompass an einigen Stellen ein anspruchsvolles Werk. Es ist voller Kirchenkritik, die ich damals (zumindest im ersten Band) nicht wahrgenommen habe.

Ein ReRead lohnt sich aus diesen Gründen für mich, weshalb ich gerne hin und wieder einen mache und meinen Stapel ungelesener Bücher links liegen lasse. Ich tauche gerne in bekannte Welten ab und finde Unbekanntes im Bekannten.

Zum Schluss würde es mich interessieren, ob ihr beim einmaligen Lesen bleibt oder nicht? Und warum? Welch Beobachtungen sind euch aufgefallen?
Lasst mir gerne einen Kommentar da, darüber freue ich mich immer sehr 🙂

 

Was geschah… im Juli 2019?

I´m back. In den letzten beiden Wochen habe ich mir eine kleine Auszeit genommen. Mein Fazit dazu sollte am Sonntag online gehen, nur da ich an dem Tag immer noch kein Wlan hatte, war es etwas schwierig. Deswegen habe ich mir gedacht, dass ich es bei meinem Monatrückblick mit einbinde, bei dem es zum Schluss eine kleine Ankündigung bezüglich einer Blog Veränderung geben wird.

Der Blitzeinschlag hätte sich keinen passenderen Zeitpunkt suchen können, denn so habe ich nicht nur eine Twitter Pause, sondern dank dem guten Netz im Dorf auch eine Handy Pause eingelegt. Ich wurde quasi dazu gezwungen mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Mit Yoga habe ich angefangen, um mehr innere Ruhe zu erlangen und habe bemerkt, wie es dabei hilft, runter zu kommen und Selbst Akzeptanz zu lernen. Gott, das klingt ja so, als wäre ich auf so einem Hippie-Selbstfindungstrip gewesen und hätte dazu alle klischeebeladenen Beiträge dazu im Internet gelesen. Keine Sorge so schlimm ist es nicht, es ist nur manchmal gut, in sich selbst hineinzuhorchen. Okay, Okay, ich höre ja schon auf 😀

In den zwei Wochen habe ich auch wieder etwas an meinen Projekten gearbeitet. Der erste Teil mit 30.000 Wörter ist jetzt bei einer Freundin und bin gespannt, was sie dazu sagen wird, insbesondere weil ich meinem Schreibstil zurzeit etwas kritisch gegenüber stehe. Bei Projekt 2 sind knapp 5.000 Wörter dazu gekommen und ich habe weiter geplottet.

Für meinen Blog habe ich nach langem wieder Zeit gefunden und einige Beiträge vorproduziert, was mir lieber ist, als dieses von Woche für Woche schreiben. Insbesondere wegen meiner Bachelor Arbeit ist mir das lieber. Euch erwartet wieder eine bunte Mischung aus Bücher und Serien:)

Geschriebenes

Monatsrückblick Juli1.jpgIm Juli habe ich einen Reread gestartet, durch den Trailer zu der neuen HBO Serie zu His dark materials habe ich Lust auf die Bücher bekommen. Der Goldene Kompass und Das Magische Messer habe ich schon beendet, im dritten Bands stecke ich gerade. Es war erschreckend zu sehen, wie viel ich vergessen habe. Insbesondere Band 3 fühlt sich so an, als würde ich es zum ersten Mal lesen, da ich nur noch eine Szene vage in Erinnerung habe. Wie viel man in zehn Jahren vergisst!
Abgesehen davon habe ich noch Pans Labyrinth gelesen, dass auf meinem Lieblingsfilm von Guillermo del Torro basiert. Es war interessant dem umgekehrten Weg zu gehen, sonst besteht ja meistens eher ein Film auf einem Buch. Die Märchenkomponente wurde stärker ausgebaut und es gibt wunderschöne Zeichnungen. 

Gehört

Bei Hörbüchern ging es mit Harry Potter weiter und ich habe den vierten Band beendet. Ich tauche immer wieder gerne in die Zaubererwelt ein. Mir ist wieder aufgefallen, wie viel in den Büchern erklärt wird! Als Person, die über sämtliche Sachen Bescheid weiß, ging mir dieses Mal die lange Erläuterung gegen Ende etwas auf die Nerven, bei einem Hörbuch ist das Überfliegen halt auch etwas schwieriger.

Gesehen

Bei Yesterday (Kino) ist mir wieder aufgefallen, wie schwer es doch ist, Filme subjektiv zu betrachten. Ich war an dem Tag nicht in bester Laune und habe mich dazu gezwungen dennoch nicht das Treffen abzusagen. Zum Glück, denn wir waren erst lecker Essen und dann anschließend auf der Community Preview vom Dominik Porschen (Youtube Kanal Filmlounge). Ich hatte eine tolle Zeit und habe das Kino strahlend verlassen, der Film ließ meine innere Stimme verstummen und ich konnte abschalten. Das Yesterday mit einer Harry Potter Anspielung endet, hat den Abend noch perfekter abgerundet, denn jetzt bleibt er auf Ewigkeiten mit meiner besten Freundin und mir verbunden. Der Film punktet aber auch mit einer schrägen Idee, nach einem Stromausfall auf der ganzen Welt kann sich bis auf Jack niemand an die Beatles Songs erinnern. Dies sorgt für viele witzige Moment. Regisseur Danny Boyle hat auch Ed Sheran eine Rolle auf dem Leim geschrieben, der sich mit viel Selbstironie selbst spielt. Da ignoriert man doch gerne eine Liebesgeschichte, die nicht hätte sein müssen.

  • 25 km/ h (Amazon): Der Film mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel in den Hauptrollen hat mich positiv überrascht. Es war mehr den Wunsch meines Vaters ihn zu sehen. Deutsche Filme treffen eher selten meinen Humor und neigen zumindest im Mainstream Bereich schnell zu Überzeichnungen, anders in 25 km/h,  wo auch emotionale Töne getroffen werden. Zwei Geschwister, die sich auseinander gelebt haben und durch den Tod ihres Vater wieder zusammengeführt werden, beschließen sich einen Jugendtraum zu verwirklichen und mit ihren Mofas vom Schwarzwald bis an die Ostsee zu fahren.
  • Ein Goldfisch an der Leine (Amazon): Über den Liebesfilm aus den 60er Jahre bin ich wieder über meinen Vater gestoßen. Es ist eine amüsante Geschichte über einen Verkäufer für Angelausrüstung, der übers Angeln Besteller geschrieben hat und nun bei einem Wettbewerb teilnehmen soll. Was aber niemand weiß: Er kann selbst überhaupt nicht angeln.
  • Verstehen Sie die Bèliers? (Netflix): Ich hatte letztes Jahr das Glück und habe die französische Sängerin Louane in Köln live gesehen – eine talentierte und sympatische junge Frau. Jetzt habe ich auch den Film mit ihr gesehen, wo sie die einzige Person in der Familie ist, die sprechen und hören kann. Als sie ihr Talent fürs Singen entdeckt, ist sie Hin und Her gerissen zwischen ihrem Traum, eine musikalische Ausbildung in Paris zu absolvieren, und ihrer Familie zu helfen. Schaut euch auf Youtube den Film Clipp zu Je vole an, es ist wirklich sehr schön, wie sie singt und gleichzeitig Gebärdensprache für ihre Familie verwendet, damit diese versteht was sie singt.
  • Zurück in die Zukunft (Amazon): Ein Klassiker auf den ich noch einmal Lust hatte. Egal wie oft man ihn sieht, die Hektik des Films überträgt sich immer wieder auf den Zuschauer.
  • Alles eine Frage der Zeit (DVD, gibt es aber auch auf Netflix): Ein Liebesfilm, der gegen Ende verstärkt ein Familiendrama wird. Trotz der Zeitreise Komponente eine der schönsten und natürlichen Liebesgeschichte, die ich auf der Leinwand gesehen habe.
  • Cocktail für eine Leiche (DVD): Ein skurriles Kammerspiel von Alfred Hotchcook, seinem ersten Farbfilman an das ihr am besten ohne viel Vorwissen ran geht.
  • Shutter Island (Netflix): Ebenfalls ohne viel Vorwissen solltet ihr euch aufgrund der Wendung Martin Scorsese Film ansehen. Ein atmosphärischer, gut gespielter Thriller.

Serien

  • Stranger Things 3: Es hat dieses Mal länger gedauert bis die Serie in Fahrt gekommen ist, dafür war das Finale dann wieder gewohnt emotional. Positiv fand ich den Weg, den die Beziehung zwischen Steve und Robin eingeschlagen hat.
  • Teen Wolf: Mir war nochmal nach einem Rewatsch und auch wenn die Effekte nicht das wahre sind, macht es Spaß und Stiles ist einfach der beste.

Veränderung

Lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, meinen Blog selbst zu hosten. Ich fand es nur immer unnötig, so viel Geld auszugeben, wenn ich so einen kleinen Blog habe. Da ich allerdings ein günstigeres Angebot entdeckt habe, habe ich mich jetzt doch dafür entschieden. Denn es gibt deutlich teurere Hobbys und vor allem, wenn ich eh viel Zeit damit verbringe, warum nicht?

Daher wird es zu ein paar Änderungen kommen. Wer mir auf Twitter folgt, hat vielleicht meine kleine Umfrage zu den Kategorien mitbekommen. Ich möchte diese umändern und übersichtlicher gestalten. Daneben wird es bald ein neues Theme geben und es kann auch sein das ein paar Beiträge verschwinden und manche Beiträge unter einem anderen Namen auftauchen werden, nur damit ihr euch nicht wundert, was los ist. Ich freue mich über diesen Schritt sehr 🙂

Zitat des Monats

„Die Buchstaben waren wie Spuren im Schnee einer weiten, weißen Landschaft, die kein Schmeru je berührt hate und die nichts von Erinnerungen geplagt war, die zu finster waren, um sie zu bewahren, zu süß, um sie loszulassen.“ (S. 10 – Pans Labyrinth)

Was habt ihr im Juli so gelesen?
Habt ihr schon die ne Staffel von Stranger Things gesehen? Was sagt ihr dazu?